Die sieben Säulen der Weisheit – Eine Rezension

Nun, den Titel bereits gehört zu haben ist wohl zu viel verlangt. Den Autor aber sollte man kennen; Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien, der den kriegerischen Aufstand der Araber gegen die Türken mit anführte. Dass er nebenbei Schriftsteller war ist den Wenigsten bekannt, und böse gesagt ist es so vielleicht auch besser, zumindest denke ich dies, nachdem ich das Buch gelesen habe. Nun, das ist vielleicht zu viel gesagt, schlussendlich hat mir die Geduld gefehlt das Buch fertig zu lesen. Irgendwo auf Seite 500 oder etwas später habe ich geendet, dabei hat das Buch 834 Seiten (eine Zahl, die ich auswendig weiss, zu oft habe ich nachgerechnet, wie viel Prozent ich bereits gelesen habe, um mich ans Buch zu binden). Und ehrlich gesagt, fühle es sich an, als wäre eine schwere Last von meinen Schultern geladen worden, bin ich doch erleichtert, mich zum nächsten Buch fort zu bewegen.

Nun aber zum Inhalt. Die Erzählung beginnt damit, dass Lawrence aus seinem Büro in Kairo abkommandiert wird und sich in Zukunft unter die Araber mischen soll. Dann folgen 500 Seiten (zumindest von mir gelesene), in denen im Grunde genommen nichts passiert. Und doch ist dies falsch, denn passieren tut viel. Der grösste Teil besteht aus Beschreibungen von Kamelritten, tage- und wochenlange, von der Zeit in der gewartet wurde. Spannung ist hier kaum zu finden. Selbst wenn jemand stirbt oder plötzlich verschwindet und später tot gefunden wird ist dies nicht spannend, da die Verbundenheit des Lesers mit diesen Figuren überhaupt nicht besteht. Sie werden bloss kurz vorgestellt, dann verschwinden sie, es wird eine Seite lang gesucht, dann Reitet die Karawane weiter, und wenn man unaufmerksam liest, vergisst man dies nach wenigen Seiten und erst wenn man zurückblättert fällt einem plötzlich wieder ein, dass da ja sowas passiert war.

„Dann folgen 500 Seiten, in denen nichts passiert.”

Dann gibt es die Stellen, in denen Züge gesprengt werden, Türkische Posten angegriffen werden, Versorgungslinien, et cetera, et cetera. Dies sind die spannenden Stellen im Buch. Davon gibt es wohl etwa ein dutzend, die je zehn Seiten lang sind.

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Die Teile des Buches, die weder Wartezeit, noch Reisezeit, noch Angriffe umfassen, bestehen aus Geplänkel. Ab und an kurze Texte zur Mentalität und zu Bräuchen zu Traditionen und zum Glauben. Aber im Grunde genommen ist das schlechte am Buch nicht die Sprache, nicht der Aufbau sondern die Verstrickung in Unwichtigkeiten und Fehlproportionierungen der einzelnen Teile. Dies ist wohl sowohl für einen Psychologen als auch für einen Historiker interessanten, aber für einen normalen Leser sind es lange Lücken, in denen nichts passiert, durch die man sich mit der Zeit nur noch durchschleppt, die einen nur noch langweilen. Und das ist Schade, denn das, was im Buch beschrieben wird ist ein spannendes Thema, der Autor war direkt involviert. Es könnte ein traurig-ernstes Kriegstagebuch sein, bei dessen Lektüre man literweise Schweiss und Tränen vergiesst. Aber das ist es nicht, es ist mehr ein in die Länge gezogenes Reisetagebuch, verfasst in Zeiten geringerer Sicherheit, ein Abenteuer bei interessanten Völkern und Menschen.

Und ehrlich gesagt, es tut mir etwas weh, dass ich das Buch unfertig gelesen zurück ins Regal gestellt habe, es hätte doch so gut sein können, aus der Geschichte wäre so viel herauszuholen, aber leider hat es Lawrence verpasst dies zu tun und hat ein Buch geliefert für Wissenschaftler, Experten etc., aber nicht für Personen, die in der Freizeit ab und an ein Buch lesen. Ich habe zwei Monate an diesem Buch gekrampft, auch das ist ein Grund, wieso es mir schwer viel, es nicht fertig zu lesen, hatte ich doch schon so viel Zeit hineingesteckt.

„Es tut mir weh, das Buch ins Regal zu stellen, ohne es ganz gelesen zu haben.”

Vielleicht bin ich ein Banause und habe nicht erkannt, was für ein Meisterwerk ich in Händen halte. Das glaube ich zwar nicht, aber ich werde das Buch, wie ich es bei so vielen anderen bereits gemacht habe, in einigen Jahren wieder aus dem Regal holen, den Staub wegpusten und es erneut lesen. Falls sich meine Ansichten dann verändern sollten, wäre auf dem Blog eine neue Rezension zu erwarten.

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