Christoph Blocher und Südafrika

Christoph Blocher ist in der Schweiz der wohl bekannteste Politiker, ehemaliger Bundesrat der SVP und auch nach wie vor Parteistratege (eine Untertreibung; er scheint der Kopf der Partei zu sein). Nun, dieser Mann, unterdessen 76 jährig und gestern wieder in den Schlagzeilen, weil er im Bundeshaus gestürzt ist und sich dabei mehrfach die Nase gebrochen hat, hat eine Vergangenheit, die nicht sehr rühmlich ist. Zentral mit dabei das südafrikanische Apartheidsregime, uns allen ein Begriff, als rassistische, gegen Menschenrechte verstossende Regierung, die Jahrzehnte andauerte und vor allem die Rechte der Schwarzen Bevölkerung stark beschnitt. Die Frage ist doch, wie dieses Regime und Blocher verbunden waren.

„Die Schweiz lieferte Teile für den Bau einer südafrikanischen Atombombe.“

Wie allgemein bekannt gab es ein Embargo gegen Südafrika. Umgangen wurde es unter anderem von der Schweizer Industrie. Die Geschäfte umfassten Lieferungen aus der Schweiz für ein Atombombenprogramm (Involviert war Sulzer AG und VAT Haag, die Teile für eine Urananreicherungsanlage lieferten). Weitere so konkrete Beispiele gibt es sonst kaum noch. Dass andere Firmen wie der Schmidheiny-Konzern und EMS-Chemie involviert waren ist ebenfalls bekannt. Und wie es der Zufall so will, wurde Blocher 1972 bei der EMS Verwaltungsratsmitglied, nach 1979 wurde er ‚Leiter der Gesellschaft‘ und er übernahm später Aktienpakete und erhielt dadurch die Stimmenmehrheit. Seit 2000 ist eine seiner Töchter (Magdalena Martullo-Blocher, nun ebenfalls Politikerin der SVP) die Chefin des Betriebs. Somit war Blocher in einer wichtigen Funktion (in welcher lässt sich zeitlich leider schwer aufschlüsseln), als Geschäfte mit dem Apartheidsregime gemacht wurden. Und damit nicht genug. Blocher war zusätzlich Gründer der ASA (Arbeitsgruppe südliches Afrika). Was diese Gruppe konkret leistete ist mir teilweise schleierhaft, aber es ist bekannt, dass zwei Mitglieder der ASA die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Südafrika geleitet hatten. Weiterhin wurden mehrere Magazine veröffentlicht, in denen Handlungen des Regimes verteidigt wurden. Dieses hielt die Beziehung zur ASA (namentlich Christoph Blocher, Peter Sager und Ernst Cincera) für sehr wichtig, so geschrieben in Unterlagen des Südafrikanischen Geheimdienstes.

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Überhaupt hat sich die schweizerische ‚Elite‘ überhaupt nicht mir Ruhm bekleckert. Zitat aus einem Untersuchungsbericht: „1974 führte die BOSS-Abteilung Z-Squad von der Schweiz aus eine der ersten von der südafrikanischen Regierung angeordneten, aussergerichtlichen Ermordungen eines schwarzen Oppositionellen durch.“, wobei anzumerken wäre, dass BOSS der damalige Südafrikanische Geheimdienst war.

„Christoph Blocher hatte einen hohen Posten bei der EMS-Chemie, als diese illegale Geschäfte mit Südafrika machte.“

Das ist ja ganz interessant, aber woher weiss ich das? Nun, im Jahr 2000 wurde ein Forschungsprogramm (NFP 42+) zusammengestellt, dessen Aufgabe es war die Verbindungen zwischen der Schweiz und Südafrika zu beleuchten. Dahinter stand der schweizerische Nationalfond. Im Jahr 2005 war diese Untersuchung beendet, wobei ein Bericht veröffentlicht wurde, der Online einsehbar ist. Ganz rund lief diese Untersuchung allerdings nicht, so wurden Teile von Archiven vernichtet oder der Zugang verweigert. Es gibt wohl noch genügend Leute in der Schweiz, die ihre Verbindungen haben spielen lassen, um sich selbst zu schützen. Wer dies ist kann keiner sagen, aber es handelt sich womöglich um Personen, die mehr Einfluss auf die schweizerische Politik haben, als sie zugeben.

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