Kennedys Hirn – Eine Rezension

Ich verbrachte in den letzten Wochen einige Tage im hiesigen Stadttheater, da ich an einer Produktion beteiligt bin, die in kürze ein Ende finden wird. Ich hoffe zur nächsten Produktion Teile des Stücks komplett selbst liefern zu können, aber so weit ist es noch nicht.

Nun, im Theater hat man nebst viel zu tun auch nichts zu tun, je nach Tageszeit. Deswegen habe ich mir ein Buch mitgenommen, über dies ich nun hier eine kurze Kritik verfasse. Eigentlich lese ich gerade ‚Die sieben Säulen der Weisheit‘ von T. E. Lawrence, aber dazu ist Konzentration in höchstem Masse erforderlich, die kaum aufzubringen ist, wenn gerade sämtliche Kulissen angeschraubt werden. Folglich habe ich zum im Titel erwähnten Buch gegriffen.

„Die Geschichte ist gebaut, um den Leser mit der brutalen Realität zu konfrontieren.“

Das Buch handelt, nicht wie zu vermuten wäre vom Gehirn des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, sondern von einer Archäologin, Louise Cantor, die ihren Sohn besucht und ihn Tot im Bett findet. Todesursache: Medikamentenüberdosis. Seine Mutter glaubt aber nicht an Selbstmord und wandelt den Pfad ihres Sohnes nach. Sie geht nach Australien und sucht dort ihren Ex-Mann, der verschwunden ist, nachdem er sie verlassen hat. Sie findet ihn und nach längeren Konversationen besuchen Sie die Wohnung des Sohnes in Barcelona. Im Grunde genommen ist dies spannend aber im Gesamtbild relativ uninteressant. Die gesamte Geschichte ist böse gesagt unwichtig, denn das wirklich wichtige kommt erst: Der Aufenthalt Cantors in Afrika und das was sie dort erlebt. Denn eigentlich ist die gesamte Geschichte nur gebaut, um Leser mit der brutalen Realität zu konfrontieren, die Romanform ist bloss ein Weg zum Ziel und wohl der attraktivste für den Konsumenten. Es geht um AIDS, denn wie Cantor erfahren hat war ihr Sohn an der Krankheit erkrankt. Und davon handelt eigentlich das Buch, es geht nur um AIDS, und wie in Afrika damit umgegangen wird.

9783423212434Nun, was sieht Louise Cantor in Afrika? Sie erblickt Zentren eines reichen westlichen Geschäftsmanns, dessen Ruf tadellos ist, in denen AIDS-Kranken geholfen wird. Aber nur auf den ersten Blick. Bereits früh sieht sie auch Räume in denen Tote und praktisch Tote aufeinandergestapelt werden. Bilder, wie in KZs in Nazi-Deutschland. Den Menschen dort wird die Krankheit erst gespritzt und dann werden an ihnen Gegenmittel getestet, wobei viele sterben. Die Armen Menschen haben die Laborratte abgelöst. Dabei wird auch ein Fall in China erwähnt, bei dem dasselbe passiert war. Ob genau dieser Fall wirklich passiert ist, weiss ich nicht, aber solche Tests gab es in allerlei armen Ländern, wie oft, aber nicht zu oft nachzulesen ist. Genau das sieht Cantor. Sie spricht mit verschiedenen, meist verdeckt; alle haben Angst. Und dies nicht zu unrecht. Im Verlauf des Buches sterben einige dieser Kontaktfiguren.

Am Ende entschliesst sich Cantor dazu alles niederzuschreiben, was sie erlebt hat.

„Das Buch behandelt eines der wichtigsten Probleme des 21. Jahrhunderts.“

Nun eine kurze Bewertung. Das Buch ist sehr gut geschrieben, weniger kann man von Mankell auch nicht erwarten, schliesslich habe ich bisher nur gute Bücher von ihm gelesen. Es ist unterhaltsam, mitreissend, spannend und regt zum Denken an.

Der Inhalt ist wichtig. Denn bei diesen Medikamententests handelt es sich um einige der wichtigsten Probleme der westlichen Welt bzw. des 21. Jahrhunderts. Bekanntlich verbrachte Mankell viel Zeit in Afrika und hat folglich viel gesehen. Ob es ebenso viel war, wie das, was Cantor gesehen hat weiss ich nicht, aber ich halte es für möglich. Durch seine Reisen auf diesem Kontinenten hat sich Mankell praktisch verpflichtet dieses Buch zu schreiben, so fühle ich. Afrika ist ihm wichtig gewesen und es und das was dort passiert ist und nach wie vor passiert darf nicht vergessen werden. Das Buch ist lesenswert, also zögern Sie nicht und lesen Sie es, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Es ist wichtig.

Nur als Anmerkung: Dieser Text entstand vor der Kritik zu ‚Die sieben Säulen der Weisheit‘, aber durch mein Chaos ist die Reihenfolge etwas durcheinandergeraten. Dafür entschuldige ich mich.

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