Realität und Fiktion in Romanen

Es gibt Bücher, bei denen bereits zu Beginn klar ist, dass keinerlei Ereignisse, die wirklich passiert sind Erwähnung finden, oder gar für den Verlauf der Geschichte wichtig sind. Grundsätzlich lässt sich dies bei Fantasy-Romanen sagen, wenn es natürlich auch dort Ausnahmen gibt. Aber dann gibt es auch Bücher, bei denen die Realität und die Fiktion sosehr vermischt sind, dass der Leser ohne ausführliche Recherche nicht in der Lage ist diese Ereignisse auseinander zu halten.

Ein Beispiel ist Henning Mankell. Viele seiner Wallander-Krimis beinhalten auch viel wahres, meist ist bloss der im Vordergrund stehende Fall konstruiert. Viele andere Dinge und Ereignis sind wirklich passiert. Mehrfach erwähnt wird beispielsweise die Ermordung von Olof Palme, in einem anderen Buch sinkt die Fähre Estonia und ein wieder anderes endet damit, dass die Polizisten fassungslos vor einem Monitor stehen und zusehen, wie die Twin-Tower einstürzen. Bei solch bekannten Ereignissen ist es nicht schwer zu bestimmen, dass sie wirklich passiert sind. Aber lokal begrenzte Ereignisse dringen meist gar nicht in andere Länder vor und so ist es schwierig bei der Erwähnung eines solchen zu bestimmen, ob dies nun wirklich geschehen ist oder nicht.

„Das Nachwort in Yaloms Buch zerstört die Magie der gesamten Geschichte“

Als Paradebeispiel von Henning Mankell lässt sich wohl der Roman ‚Der Feind im Schatten‘ nennen. In diesem Buch werden viele Dinge erwähnt, die während des kalten Krieges geschehen sind. Aber es wird auch viel über die Drahtzieher geschrieben, die in dem Falle unter anderem die USA sind, die versuchen durch gezielte Ereignisse die Angst der Schweden vor der Sowjetunion zu schüren. Ob dies so wirklich geschehen ist lässt sich nicht sagen, was daran liegt, dass es dazu nie wirklich offizielle Informationen gab, so ist es mehr eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, die man machen kann. Aber an deren Ende steht wohl bei jedem Leser ein etwas anderes Resultat.

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Und um ein Beispiel eines anderen Autoren zu nennen: ‚Und Nietzsche weinte‘ von Irvin D. Yalom. Zuerst muss gesagt sein, dass es sich bei diesem Buch um eines der besten handelt, das ich je die Freude zu lesen hatte. Es sei eine Empfehlung ausgesprochen. Bei diesem Beispiel existierten alle Figuren wirklich (Zumindest die wichtigen. Vielleicht gibt es Nebenfiguren, die nie existiert haben). Nur haben sich diese Personen in Wirklichkeit nie getroffen. Wieso weiss ich das? Nun, für den einen nützlich, für einen anderen (wie mich) zerstörerisch gibt es eine Nachwort, in dem dies ausführlich beschrieben ist. Wieso empfinde ich das als zerstörerisch? Es nimmt der Geschichte zumindest teilweise die Magie. Denn ich bin der Meinung, dass am Ende eines Buches nicht alles klar sein muss. Es dürfen Geheimnisse und Unbekannte existieren, denn so kann man sich selbst eine wunderbare ‚Geschichte dahinter‘ entwerfen, die ein gutes Buch meist zu einem hervorragenden, vom Leser individuell komplettierten Buch macht. Oder der Leser informiert sich selbst, um die logischsten Antworten auf offene Fragen zu finden. Ohne klares Ende gibt man dem Leser eine Art Pflicht, zu recherchieren, oder die eigene Phantasie zu nutzen. Und wenn das durch ein Nachwort wegfällt, bedaure ich es doch sehr.

„In Büchern finde ich Unklarheiten spannend und faszinierend.“

Wie komme ich auf dieses Thema? Ich lese gerade ‚Die Eissphinx‘ von Jules Verne, wobei es sich um eine Fortsetzung von ‚Der Bericht des Arthur Gordon Pym‘ von Edgar Allan Poe handelt. Weit bin ich noch nicht, erst um die Seite fünfzig herum. Aber die Hauptperson hat sich eben mit dem Kapitän eines Schiffes über dies unterhalten. Jener denkt, dass es sich bloss um einen Roman handelt, während der Kapitän von der Echtheit der Erzählung überzeugt ist und davon erzählt, wie er selbst in den Vereinigten Staaten nachgeforscht und mit Leuten gesprochen hat. Auch hat er eine Flasche mit Nachricht gefunden, die Pym im Buch versteckt hat. Wenn dieser Text hier erscheint, wird wohl die Rezension schon verfasst sein und nur noch auf die Veröffentlichung an einem Montag oder Freitag warten.

Ich selbst liebe es den Konsumenten meiner Werke einen Bären aufzubinden. Ich versuche meist möglichst realistisch und überzeugend darzustellen, dass es sich um eine reale Geschichte handelt, was allerdings bis heute noch nie so gewesen ist.

In den Büchern Anderer finde ich solche Unklarheiten sehr spannend und faszinierend. Wie schon geschrieben regt dies meine Fantasie an und ich finde es schade, den Zauber durch eine formale Erklärung zu zerstören.

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