Die Mutation der deutschen Sprache

Die Veränderung der deutschen Sprache, die stets hervorgehoben wird, ist das hinzufügen von Wörtern einer fremden Sprache, meist aus dem Englischen. Sicher ist dies eine grosse Veränderung, aber es gibt grössere, zumindest wenn man mich fragt. Es ist vielmehr eine über Generationen veränderte Nutzung einiger Wörter und Veränderung im Satzbau. Rechtschreibereformen haben wenig Einfluss, denn sie verändern nicht die Sprache sondern bloss die Niederschrift derselben, womit sie auf die alltägliche Nutzung der Sprache kaum Einfluss hat. Auch ältere Rechtschreibungen werden meist toleriert. Aber ich möchte auf die Veränderung der Sprache über Zeit sprechen und mich dabei nicht auf die Veränderung und Addierung von Wörtern beschränken.

„Meine Sprache ist geprägt von Schriftstellern aus dem 18. und 19. Jahrhundert.“

Es ist das, was ich als Mutation der deutschen Sprache bezeichne. Noch vor zweihundert Jahren pflegte man sich anders Auszudrücken, als es die Mehrheit der Deutschsprachigen unterdessen tut. Meinen Schreibstil beispielsweise, den ich im Alltag verachte, weil er vieles verkompliziert ist, wenn ich schreibe, sehr altmodisch. Überhaupt ist meine Sprache eher konservativ und die Frage die ich mir stelle: Woher kommt das? Nun ich bin eine Leseratte und war es auch schon immer. Folglich gehe ich davon aus, das Bücher, die ich gelesen habe grossen Einfluss auf meine Sprache haben. Und tatsächlich, viele Bücher die ich gelesen habe sind im 18.-19. Jahrhundert anzuordnen. So las ich viele Bücher, von englischen Autoren aus dieser Zeit. Um nur einige wenige zu nennen: Arthur Conan Doyle, Robert Louis Stevenson und Daniel Defoe. Später kam dann noch ein Franzose aus selbigen Zeiten hinzu, nämlich Jules Verne. Ich war und bin nach wie vor leidenschaftlicher Comicleser, allerdings nur Comics aus dem Barks’schen Entenuniversum. Und die Übersetzerin dieser, Dr. Erika Fuchs, übersetzte mit Nutzung von Goethe und Schiller. Und wieder sind dies Autoren aus der Ära, aus der auch die vorher genannten stammen.

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Seit diesen Jahren hat sich die Sprache ausführlich verändert. Sätze sind, zumindest im Alltag, kürzer und einfacher geworden. Und so hat sich auch die geschrieben Sprache verändert. Im 18. Jahrhundert wurden noch Briefe geschrieben, mit grosser Sorgfalt und sehr gewähltem Ausdruck. Überhaupt denke ich, dass damals bei der Nutzung der Sprache mehr gedacht wurde, als es heute getan wird. Man drückte sich wahrlich gewählter aus und formulierte Sätze sehr bedacht. Wohl war man damals gezwungen auch beim Leser konzentriert zu sein. Und ich glaube, dass auch das eine der Zahlreichen Teile der Mutation ist, die ich beschreibe. Die Konzentration, die genutzt wird, um zu formulieren und aufzunehmen ist geschwunden. Gewählte Sprache ist nur noch in hochklassigen Diskussionen zu finden.

„Die Konzentration bei der sprachlichen Kommunikation ist verschwunden.“

Die Sprache wurde vereinfacht, um sie allen zugänglich zu machen. Doch jetzt, wo zumindest ein grosse Mehrheit der in deutschsprachigen Länder befindlichen Menschen die Sprache beherrschen, ist es da nicht möglich, die Sprache wieder zu einem komplexen Geflecht aus Buchstaben Wörtern und Satzteilen zu machen? Ist es nicht möglich, die Sprache mehr zu überdenken und wieder Konzentration für die Kommunikation zu benötigen?

Diese Forderung ist utopisch und mag für Weltfremd gehalten werden. Aber doch wünsche ich mir eine leichte Weiterentwicklung der Sprache, die sich im Alltag zurückentwickelt hat zu einem ’notwendigen Übel‘. Die Mutation der deutschen Sprache ist kein existenzgefährdendes Problem, aber ich hoffe doch, dass ich mich über sie nicht zu erfreuen habe: Zumindest aber finde ich sie immerhin interessant und beobachtenswert.

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4 Gedanken zu “Die Mutation der deutschen Sprache

  1. guten abend,
    auch wenn ich von jedem erstmal eingenommen bin, der sich ernsthaft mit -unserer- sprache auseinandersetzt, läszt deine (analyse) in mir doch einige fragen zurück: was genau meinst du mit der -mutation-? einfach nur die veränderung? mutation beschreibt ja eigentlich eine veränderung, die sich gerade gegensätzlich zu einer vereinfachung, einer reduktion verhält, mutieren heiszt ja vielmehr, aus einem geordneten in einen ungeordneten, ungerichteten zustand übergehen… die sprache der menschen wird einfacher und reduzierter, da hast du recht, und auch darin, diese entwicklung zu beklagen. modische phrasen und füllwörter, -worthülsen-, falsch verwendete idiome udgl. sind sicher nur die grad noch zu bemerkenden (auswirkungen) einer verflachung, der die sprache zum opfer fällt. trotzdem: es genügt nicht, sich alter wendungen oder unzeitgemäszer grammatik zu bedienen, wenn man heute, gegen den mainstream, vernünftig sprechen oder schreiben will. man sollte um die sprache vor dem verfall zu schützen gerade die heute ja auch noch gekannte und benutzte -hochsprache- pflegen, sie -unters volk bringen…- nur so setzen sich die leute auch mit ihr auseinander. selbst das wort ergreifen und dabei alle erdenkliche sorgfalt walten lassen ist die einzige möglichkeit, das -wort- zu schützen.

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    1. Der Duden sagt zu ‚Mutation‘ ‚Änderung/Wandlung‘. Ich weiss nicht, ob du dich bei deiner Defintion auf den biologischen/medizischen Begriff stützt, in dem Falle nämlich habe ich wenig Ahnung. Du hast natürlich Recht mit dem ‚unters Volk bringen‘ der Hochsprache, aber in der Schweiz (die ich hier nenne, weil ich Schweizer bin und auch in der Schweiz lebe) ist das ganze deutlich komplexer, denn durch die häufige Benutzung von Dialekten haben viele Schweizer Probleme überhaupt grammatikalisch korrekt Schriftdeutsch zu sprechen oder zu schreiben. Von dem her ist mein Wunsch nach einer überdachteren Nutzung der Sprache erst recht Utopisch, müssen doch erst deutlich wichtigere Probleme gelöst werden.

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      1. okay… natürlich beziehe ich mich bei meinem nachfragen zur -mutation- auf die medizinische konnotation… wenn nur mutieren also verändern gemeint ist (von dir): warum nennst du dann deine analyse also dein bemerken einer mutation einen hier speziell auftretenden, als besonders wahrgenommenen (aspekt) einer veränderung. wenn doch nur (wie du ja jetzt richtig sagst mutation nur -veränderung- heiszt. diesen aspekt wollte ich ka gern näher beleuchtet haben oder erklärt (nicht notwendigerweise in fünf minuten…) sonst: ist eben auch die anrufung solcher vokabeln wieder nur ein weiteres zeichen für eben jenen von dir kritisierten verfall; in dem fall nur eine worthülse ohne weiter beschreibenden inhalt, die durch ein einfaches wort gut ersetzt bzw. eindeutiger würde, veränderung ist ein klarer begriff, und wenn du nicht an die medizinische bedeutung von -mutation- gedacht hast, an welche dann… klarheit in der sprache ist wichtig um verstanden zu werden, das geht auch in komplizierten sätzen…

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    2. Zugegbenermassen hätte ich ein passenderes, exakteres Wort anstelle von ‚Mutation‘ wählen können. Aber Muation ist auch ein (veralteter) in der Schweiz gebräuchlicher Begriff für eine allgemeine Veränderung. So hat es für mich nicht wirklich einen Unterschied gemacht, welches Wort ich für dieses Phänomen verwende. Wenn ich deine Frage richtig interpretiert habe, ist dies die Antwort auf die selbige.

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