Midas – Das Beste von Dürrenmatt?

Dürrenmatt war bekanntlich sehr interessiert an der griechische Mythologie, so ist es kein Wunder, dass er auch ein Buch mit dem Namen ‚Midas‘ schrieb. Nur als kurze Erinnerung, Midas war derjenige, der laut Legende alles zu Gold machte, was er anfasste.

Nun aber doch zu Dürrenmatts Werk. Der vollständige Titel lautet: Midas oder Die schwarze Leinwand. Und nur, dass es gesagt wurde: bei diesem Text handelt es sich nicht um eine klassische Rezension, sondern um einen Kommentar, der nur wenige Aspekte des Buches behandelt. Das wirklich geniale an diesem Buch ist die Nutzung der Phantasie des Lesers. Es handelt sich um ein Theaterstück, das aber aus bestimmten Gründen nie so aufgeführt werden kann, wie es geschrieben steht, für mich eine grossartige Tatsache, die das ganze noch interessanter macht. Nun stellt sich natürlich die Frage, wieso eine Aufführung unmöglich ist. Simpel: Dürrenmatt ist tot, aber als Autor der Geschichte, der auch im Stück unanzweifelbar Friedrich Dürrenmatt ist, spielt er eine wichtige Rolle. Und weil er tot ist, ist es unmöglich diese Teile des Stücks zu realisieren.

„Es ist unmöglich dieses Stück zu realisieren.“

Des weiteren handelt es sich ganz sicher nicht um ein klassisches Theaterstück. Denn die Hauptfigur spricht anfangs davon, dass sich das Publikum in einem Kino aufhält. Aber auch die Reaktion des Publikums ist vorausgesetzt, sodass scheinbar gar das Publikum aus Schauspielenden zu bestehen hat. Was auch ungewöhnlich ist, ist das Anfangs nur ein dunkler Saal vorhanden ist und eine Stimme. Später treten dann verschiedene Schauspieler auf und der Autor entscheidet sich für einen, der seiner Meinung nach zur Stimme passt. Es gibt auch groteske Konversationen zwischen der Hauptfigur und dem Autoren, der wie ich nun sehe im Stück als F. D. Abgekürzt wird. Nun und dieser F. D. beklagt sich über Probleme, die ein Autor typischerweise hat. Er wäre ja noch nicht fertig, aber schriebe schon die zwölfte Fassung (und diese Aussage ist wohl sogar wahr. Dürrenmatt hat stets geschrieben bis er nicht mehr weiterkam und hat dann wieder von vorn begonnen. Das scheint mir nicht sonderlich effizient.) und überhaupt sei die Hauptfigur so schwer zu schreiben. Dürrenmatt wirft ihm vor nur Monologe abzuliefern und in anderen Szenen müsse er ihm dann sämtliche Wörter aus der Nase ziehen. Dann wandelt sich die Hauptfigur vom Körper eines Schauspielers zu Dürrenmatts Körper und spricht mit dem echten Dürrenmatt. Als wäre dies nicht schon für Dürrenmatts Verhältnisse grotesk genug ruft später die Figur den Autoren und noch später schreibt Dürrenmatt an anderem und es kommt zu einer Pause, in der die Figuren erstarrt sind, aber doch noch sprechen, über das, was der Autor gerade schreibt und über den Zeitpunkt. Die Pause dauert, um es so zu sagen, von Februar 1984 bis Juni 1990. Danach schrieb Dürrenmatt weiter und die Geschichte fährt fort. Im weiteren Verlauf der Geschichte sprich Dürrenmatt nicht nur mit den Figuren, sondern auch mit den Schauspielern.

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Tatsächlich glaube ich, dass das ganze Stück das groteskeste ist, das Dürrenmatt je geschrieben hat. Und das sagt bereits einiges aus. Aber das finde ich im Grunde genommen unwichtig. Denn das Stück kann nie aufgeführt, der Film nie gezeigt werden. Folglich ist die einzige Möglichkeit das ganze zu visualisieren, es in der eigenen Phantasie zu tun. Somit ist dieses Stück eines, das nur durch den Leser komplettiert wird. Der Leser selbst muss aus Buchstaben, Wörtern und Sätzen einen eigenen Film, ein eigenes Theaterstück zusammensetzen, und das macht einfach unglaublich viel Spass.

„Es ist ein Stück, das nur durch den Leser komplettiert werden kann.“

Ich las dieses Buch erstmals ende Dezember 2015, als ich es mir eben erst gekauft hatte. Und ich sass in einem Zug, der von Neuchâtel nach Basel fuhr, einmal Umsteigen einbegriffen. Was tat ich in Neuchâtel? Wie einigen vielleicht bekannt ist, lebte Dürrenmatt dort und ich tat nichts anderes als sein Wohnhaus zu besichtigen und im zugehörigen Laden zwei seiner Bücher zu kaufen: Midas und Turmbau. Vielleicht hat deswegen dieses Buch eine spezielle Bedeutung für mich.

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