Intertextualität

Intertextualität – zwischen den Texten, ist etwas, das ich liebe und mit dem ich mich immer mal wieder beschäftige, obwohl ich kein Literaturwissenschaftler bin. Um diesen Begriff kurz zu erklären: Er bezeichnet Anspielungen in Texten auf andere Texte. Eines der ersten Bücher, das ich las, bei dem mir eben dieses Phänomen zu Gesicht kam, war ‚Der Name der Rose‘ (Zu diesem Buch wird es von mir nie eine Kritik geben, vielleicht einen Verriss im besten Stile von Marcel Reich-Ranicki, denn wenn ich etwas nicht getan habe, dann das Buch gemocht. Trotzdem nutze ich es hier als Beispiel, weil es sich anbietet.). Es war einfach zu offensichtlich, als dass man es nicht hätte feststellen können, denn die Hauptperson nannte sich Adson von Melk, was sich fast liest und spricht wie Watson und sein Begleiter, der ganz zufällig Ahnung von Semiotik hat hiess William von Baskerville, was natürlich auf ‚Der Hund der Baskervilles‘ anspielt. Und wie schon angeschnitten, war gar die Rollenverteilung dieselbe, weil nämlich William im Stile von Holmes anhand von Spuren Schlüsse zog und Adson das ganze niederschrieb, als er später ein alter Mönch war. Das ist das auffälligste Beispiel das mir bekannt ist.

„Der Name der Rose nutzt Intertextualität am auffälligsten.“

Eine andere Art von Intertextualität findet sich in Jules Vernes ‚Eissphinx‘ (Ich lese das Buch noch immer, eine Rezension ist nach wie vor zu erwarten), das als Fortsetzung von ‚Der Bericht des Arthur Gordon Pym‘ fungiert, verfasst von Edgar Allan Poe. Nun, wie macht es denn Verne? Poes Buch spielt eine Zentrale Rolle, denn es stellt sich heraus, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Und die Hauptfiguren richten sich an dem Buch, wie an einem präzisen, zuverlässigen Bericht eines Seemannes. Noch dazu erwähnt die Hauptfigur ab und zu Zitate von Poe, und obwohl er natürlich auf Pyms Buch als Autor verzeichnet ist, schliessen die Figuren bei Verne, dass es sich um eine echte Geschichte handelt, die bloss von Poe herausgegeben wurde, genau das, was in Poes Buch tatsächlich als Vorwort (vielleicht war es auch das Nachwort, ich habe das Buch leider nicht zur Hand) geschrieben steht.

Poe und Verne

Ab und zu kommt es vor, dass man selbst eine Intertextualität findet, die so gar nicht vorgesehen war. Ab und zu schaue ich Soko Leipzig (Kein Text, aber eine Fernsehsendung, die ich auch einbinde, obwohl sie nicht ganz in die Definition passt.) und dort gibt es zwei Kommissare, einer heisst Jan und die andere Ina. Nun, kürzlich fiel mir auf, dass diese Namen in einem Wallander-Krimi ebenfalls vorkommen, als angehörige eines Ermordeten. Ich glaube nicht, dass das so vorgesehen war und zugegebenermassen ist Jan ein sehr verbreiteter Name, während Ina wohl zufällig als Name genutzt wurde, unbeachtend den Krimi von Mankell.

Ich selbst liebe die Intertextualität, wie Anfangs angekündigt und zwar nicht nur als Leser, sondern auch als Schreiber. Aber ich nehme es nicht so genau mit der Definition, weswegen ich Musik und Filme ebensooft einbinde, wie Bücher und Texte. Beispielsweise habe ich kürzlich eine sehr kurze Erzählung geschrieben, die hiess ‚Jimmy, what’s wrong?‘, was im ersten Moment niemanden etwas sagt. Nun höre ich aber ab und zu gerne Yello und eines der Mitglieder ist ein gewisser Dieter Meier, der auch ein Solo Album gemacht hat, in dem es ein Lied gibt, das Jimmy heisst. Der Titel meiner Geschichte ist eine Line aus dem Lied. Auch die Anzahl der Namensnennungen von Jimmy ist genau abgestimmt auf das Lied, insofern, dass der Name ebensooft genannt wird, wie im Refrain von Meiers Song. Der zweite Teil, der Geschichte, den ich kürzlich begonnen habe heisst dann ‚Jimmy, the key‘, was, oh Wunder, ebenfalls eine Line aus Meiers Song ist (übrigens ein sehr tolles Lied, vor allem die Live-Version, aufgenommen an der Baloise-Session und zu finden auf Youtube.). Die Hauptfigur übrigens ist optisch identisch beschrieben, wie Dieter Meier.

„Ich liebe Intertextualitäten, nicht nur als Leser, sondern auch als Schreiber.“

Solche Intertextualitäten finden sich in meinen Texten häufig, meist allerdings in geringerem Umfang, als im oben genannten Beispiel und beschränkt auf Namen Orte, oder die Nennung eines Buchtitels als Lieblingsbuch einer Figur.

Am meisten Spass allerdings macht es, die Intertextualitäten bei anderen Autoren zu finden und zu verstehen, es schafft wirklich Befriedigung.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Intertextualität

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s