Die Eissphinx – Eine Rezension

Die Eissphinx ist ein Buch, dass man durchaus einfach so lesen kann, es empfiehlt sich aber zuvor ‚Der Bericht des Arthur Gordon Pym‘ zu lesen, verfasst von Edgar Allan Poe, denn bei Vernes Buch handelt es sich um eine Fortsetzung dieser Geschichte. Nötig aber ist es nicht, denn Poes Geschichte wird bei Verne ausführlich erklärt und zitiert. Leider ist das Buch meines Wissens nicht vom Verlag ‚Nikol‘ erhältlich, was bedauerlich ist, weil diese Bücher ein angenehmes Format haben und die Abbildungen der Originalausgabe darin vorhanden sind. Das Buch, das ich mir gekauft habe ist vom Hofenberg Verlag, und ist relativ grossformatig. Inhaltlich ist auffällig, dass der Text aus der deutschen Erstausgabe eins zu eins übernommen wurde, gar ohne Anpassung an zahlreiche Rechtschreibereformen, die seit dann stattgefunden haben.

Nun aber zum Inhalt, genauer werde ich nun die Geschichte grob wiedergeben. Die Hauptperson ist ein gewisser Tom Jeorling, stammend aus den USA, anfangs festsitzend auf einer kleinen, langweiligen Insel, bis er dann nach reichlich Diskussion mit dem ersten Schiff, der ‚Halbrane‘ dieselbe verlässt und nach der Insel Tristan da Cunha fährt. Auf dem Weg dahin findet die Besatzung allerdings auf einem Eisberg, unterdessen grösstenteils geschmolzen, die Leiche eines Mannes, der sich anhand der Notizen die er bei sich trägt als Crewmitglied des Schiffes ‚Jane‘, das einst mit Pym zum Südpol fuhr. Der Kapitän der ‚Halbrane‘ entschliesst sich eine Retungsmission für die Seemänner zu organisieren, die damals scheinbar überlebt haben, da sein eigener Bruder auf dem Schiffe Kapitän gewesen war. Schleunigst wird die ‚Halbrane‘ dazu beladen und mit reichlich zusätzlicher Besatzung komplettiert. Einer dieser neuen Besatzungsmitglieder ist ein Gewisser Hunt, auf den vom Autoren grosses Augenmerk gelegt wird. Anfangs verläuft die Reise überaus erfolgreich und ohne gröbere Zwischenfälle. Die Insel Tsalal, auf dem die Crew der ‚Jane‘ Jahre zuvor hinterlistig überfallen worden war zeigt sich anders, als es ‚Der Bericht des Arthur Gordon Pym‘ beschreibt, scheinbar bedingt durch ein starkes Erdbeben. Es finden sich einige Spuren der Ureinwohner und der Besatzung der ‚Jane‘.

„Viele Geschehnisse sind Vorhersehbar.“

Nun folgt der zweite Teil, in dem die Reise fortgesetzt wird, in den Süden, wo der Kapitän nach wie vor hofft, seinen Bruder zu finden. Teile der neuen Besatzung lehnen sich dagegen auf, Jeorling kann sie aber durch erhöhten Lohn aber unter Kontrolle halten. Im Verlauf dieses Prozesses stellt sich heraus, dass Hunt in Wirklichkeit der Gefährte Pyms war und eigentlich Dirk Peters heisst. Er gibt zu verantwortlich für die Veröffentlichung von Pyms Bericht zu sein, denn Pym sitze immer noch irgendwo in den südlichen Gewässern fest, weswegen sich Peters entschlossen hatte die Reise mitzumachen. Dann wird das Unternehmen doch noch vom Unglück überschattet, denn die ‚Halbran‘ wird von einem kippenden Eisberg in die Höhe gerissen. Die Versuche das Schiff zu retten scheitern, es stürzt ins Meer, wobei es zu einigen Toten kommt.

Eissphinx

Nun treibt die Besatzung auf einem Eisberg am Südpol vorbei und stösst auf Land. Sämtliche Gegenstände werden dahin transferiert, auch ein Boot, das von den vorher schon unzufriedenen Seemännern genutzt wird, um von dem Eiland zu fliehen. Zurück bleibt ein Grossteil der ursprünglichen Besatzung, die ebenfalls zu einem Boot kommen, das zufällig vorbei schwimmt. In dem Boot finden sich zufällig auch noch einige Besatzungsmitglieder der Jane, die sogar noch leben, darunter der Bruder des Kapitäns. Die geretteten erzählten, dass sie nach dem Erdbeben von der Insel Tsalal geflohen waren. Das Boot wird daraufhin genutzt, um ebenfalls vom Eiland zu fliehen, was gelingt. Auf der Fahrt erblicken die Männer plötzlich ein riesiges Gebilde, dass auschaut wie eine Sphinx und wie ein riesiger Magnet fungiert. Auf der Insel, auf der sich diese Sphinx befindet, finden die Seefahrer auch die Besatzungsmitglieder der Jane, die das Boot gestohlen hatten, die allesamt tot waren. Peters entdeckt daraufhin Pym, der ebenfalls tot ist, wobei er selbst einen Herzinfarkt bekommt und stirbt. Der Rest der Besatzung fährt weiter, wo sie bald von einem Schiff aufgenommen wird. Damit endet die Erzählung.

„Was fehlte war der Leserausch, der mich bei der Lektüre anderer Verne-Romane ergriffen hat.“

Und nun zu meinem Fazit: Wer bereits andere Bücher von Verne gelesen hat, wird enttäuscht sein. Denn es ist nicht schlecht, aber für Vernes Verhältnisse einer Enttäuschung sehr nahe. Viele Dinge sind zu vorhersehbar, beispielsweise, das es sich bei Hunt in Wahrheit um Peters handelt. Auch erscheint das Ende etwas kitschig, wo doch Peters beim Anblick Pyms stirbt. Was mir auch gefehlt hat, ist der Leserausch, in den ich im Normalfall bei Vernes Büchern verfalle. So kam es vor, dass ich sechshundert Seiten binnen eines Tages gelesen hatte (zugegebenermassen in den Ferien). Vielleicht liebte Verne Pyms Buch als Leser, aber als Autor einer Fortsetzungsgeschichte hat man doch immer wieder Schwierigkeiten sich an die Vorlagen und Rahmenbedingungen zu halten.

Für Liebhaber von Verne ist es durchaus lesbar, aber wenn man zuvor bereits ‚Der Bericht des Arthur Gordon Pym‘ gelesen hat, bietet es sich an auch dieses Buch zu lesen, bereuen wird man es nicht.

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