Die SVP greift nach den Medien

Man könnte sagen, eine Tradition wird fortgesetzt, denn aktuell ist ein gewisser SVP-Politiker namens Walter Frey in den Schlagzeilen, weil er und einige Andere 230 mio Franken für die Boulevardzeitung Blick geboten haben. Die Weltwoche, eine Zeitung, gegründet 1933, die Jahrelang die Nazi-Ideologie gestützt hat und unterdessen herausgegeben wird von Roger Köppel, wobei dieser auch Chefredakteur ist. Dieser Mann ist unterdessen SVP-Politiker und sitzt für diese Partei seit 2015 im Nationalrat. Langsam kommt ein gewisses Muster zum Vorschein.

„Die BaZ ist ein Paradebeispiel für eine SVP-Übernahme, die offiziell nie wirklich stattgefunden hat.“

Paradebeispiel einer SVP-Übernahme ist die Basler Zeitung, kurz BaZ, wobei sich hier alles etwas komplizierter gestaltet. Am 8. Februar 2010 verkaufte der bisherige Verleger seine Zeitung für 70 mio Franken an Tito Tettamanti und den Anwalt Martin Wagner. Ende August wurde dann der Chefredakteur hinausrotiert und ersetzt durch den Weltwoche-Journalist Markus Somm, und ja, es handelt sich um die selbe Weltwoche, die oben erwähnt wird. Im November dann deckt die NZZ am Sonntag auf, dass die Firma Robinvest die BaZ berät. Wie es der Zufall so will, gehört diese Firma einem gewissen SVP-Politiker mit Namen Christoph Blocher, über den ich bereits einmal geschrieben habe. Leider hat das die BaZ selbst auch nicht so wirklich gewusst (wohl mit der Ausnahme von Somm). Das hatte Folgen und so wurde die Zeitung bereits wieder Verkauft, Käufer: Moritz Suter. Einem Aviatikinteressierten, wie ich einer bin, ist dieser Name alles andere als unbekannt, war er doch Gründer der Crossair, die später zur heutigen SWISS transferiert wurde und von Hello, eine Airline, die 2012 Pleite ging.

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Der neue Besitzer der Zeitung hiess also Moritz Suter. Nach etwas über einem Jahr, im Dezember 2011 verkaufte er die Zeitung an eine von Christoph Blochers Töchter. Natürlich lag die Vermutung nahe, dass Blocher seit seiner Zeit als Berater immer noch in der BaZ involviert war, wenn auch hinter den Kulissen. Blocher dementierte dies. Nach zwei Tagen wechselte die Zeitung erneut den Besitzer, Mehrheitsaktionär wurde erneut Tito Tettamanti. Da allerdings der Chefredakteur nach wie vor Markus Somm heisst und die Zeitung stets der SVP nahe steht, ist davon auszugehen, dass Blocher nach wie vor grossen Einfluss auf die BaZ hat.

Nun, damit nicht genug. Die Baz ist in Besitz eines Holdings, das sich Medienvielfalt-Holding nennt. Im Jahr 2013 stieg dort Christoph Blocher ganz offiziell ein und übernahm 20% (Geld genug hat er ja, ist er doch Multimilliardär, aber natürlich vertritt er die einfachen Leute und ihre Forderungen, daran besteht natürlich kein zweifel (ja, auch ich kenne Ironie, Sarkasmus etc.)). Zusätzlich hat Blocher nun einen Sitz im Verwaltungsrat dieses Holdings. Anzumerken wäre zusätzlich, dass Markus Somm seit 2014 auch der Verleger der BaZ ist. Und das obwohl die Auflage der Zeitung massiv gesunken ist, seit der Herr involviert ist.

„Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Volk.“

Über diesen Somm gibt es bedauerlicherweise nicht soviel Informationen, wie über die BaZ. Doch ist in seinen Wikipedia-Artikel zu lesen, dass er Biographien von schweizerischen Nationalhelden wie Christoph Blocher und Henri Guisan schrieb. Tatsächlich ist er Mitglied der FDP, aber heissen tut das nichts, ist doch das Vertrauen von Blocher in ihn gross und schreibt doch die BaZ für die SVP und gegen alle anderen Parteien, die ja links und der EU untergeben sind (Bekanntlich ist die EU das Feindbild der SVP. Nebst den Linken natürlich).

Ja die SVP macht es wie Berlusconi, denn wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Volk. Wer Nachrichten kontrolliert, kontrolliert die Fakten, die Minung und das Wissen der Bevölkerung. Ein politisch Motiviertes Engagement in einer Zeitung ist der ideale aber abscheuliche Weg in der Politik an Schlagkraft zu gewinnen. Ich will keine monopolisierten Zeitungen in den Händen einer Partei, die braune Flecken auf der Landkarte hinterlässt.

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