Diktatur – Das geringere Übel?

Der Arabische Frühling hat viel verändert. Doch ich begrenze mich in diesem Text auf Libyen. Jahrzehntelang eine Diktatur, als brutaler Diktator Muammar Al-Gadaffi.

Im Jahr 2011 veränderte sich alles. Bürgerkrieg brach aus, die Menschen hatten genug von der Tyrannei und über 400 starben innert weniger Tage. Nach dem Fall von Tripolis floh der mächtige Mann, nach Sirte. Als er auch von dort zu fliehen Versuchte wurde er am 20. Oktober 2011 getötet. Der mächtigste Mann Libyens war zu einem kalten Stück Fleisch geworden, wurde vom Diktator zum Flüchtling zum Toten.

„Libyen war für den Sprung nach vorne nicht bereit.“

Danach wurde versucht die Demokratie zu etablieren und 2012 kam es zur ersten Wahl. Die Regierung konnte allerdings Milizen, die sich seit dem Sturz Gadaffis gegenseitig bekämpften nicht stoppen, es schien sich nicht mal darum bemüht worden zu sein. Terroristische Gruppierungen wurden nicht bekämpft, es herrschte eine von der Regierung geduldete Anarchie. Als danach ein Präsident an die Macht kam, der gar eine eigene Privatarmee aufbaute eskalierte die Lage komplett. Im Mai 2014 wurde ein Militärputsch versucht, der aber scheiterte. Es kam zu einer neuen Wahl, die von einer Seite gewonnen wurde. Beinahe als logische Konsequenz putschte die andere Seite. Und wieder kam der Bürgerkrieg, es kämpften nun die beiden Seiten und der IS. Logischerweise ist die Zahl der Flüchtlinge explodiert. Unterdessen hat sich jede Seite eigenes Gebiet gesichert, aber ruhiger wird es trotzdem nicht. Das Land ist nach der Demokratisierung im Chaos versunken.

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Wie konnte es dazu kommen? Wäre es möglich, dass der Fortschritt ein Land zum Kollaps bringt?

Nun, viele machten die USA dafür verantwortlich und man liest auch heute noch in vielen Kommentaren, die auch grosser Zustimmung erfahren, dass es besser gewesen wäre, Gadaffi an der Macht zu halten. Ähnliches liest man nun auch in Sachen Syrien und Assad. Die Frage, ob eine Diktatur besser ist, als die Demokratie hat viel mit Ethik zu tun. Diktatoren unterdrücken Menschen, die ihnen ein Dorn im Auge sind. Es verschwinden regelmässig Kritiker, sie sterben plötzlich oder werden verhaftet und gefoltert. Auch grosse Bevölkerungsgruppen werden bewusst unterdrückt und ihrer Macht beraubt.

Demokratie braucht ein solides Fundament. Ein Land muss stabil sein, weil es sonst zu genau dem kommt, zu dem es in Libyen gekommen ist. Ein Chaos bricht aus. Man könnte sagen Lybien war für den Sprung nach vorne nicht bereit. Die Gruppen, die unter Gadaffi mächtig waren existierten noch und waren bereit physische Gewalt zu nutzen, um diese Macht beizubehalten und nicht ans Volk abzutreten. Das Problem beim Übergang von einer Diktatur zu einer Demokratie ist immer, dass sehr mächtige Gruppierungen, die, verbündet mit dem Diktatoren, die Macht auf sich konzentrieren, diese plötzlich an einige Millionen einfache Bürger verlieren. Keine dieser Gruppierungen möchte das zulassen. Und wenn sie sich zur Wahl aufstellen, dann aber nicht das gewünschte Resultat erzielen, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Putsch.

„Demokratie ist nie falsch und immer besser als eine Diktatur.“

Diese Gruppen müssen über einen längeren Zeitraum schleichend entmachtet werden, bis sie, vielleicht notgedrungen, um Macht zurückzugewinnen, der Demokratie zustimmen, und sie ‚über sich ergehen lassen‘.

Demokratie ist nie falsch und immer, ausnahmslos immer, besser als eine Diktatur. Aber beim Übergang von der einen zur anderen Regierungsform kann viel falsch gemacht werden, und ich bin froh, dass in Libyen nicht ich dafür Verantwortung zu tragen hatte. Ist es doch einfach darüber zu schreiben, was denn die optimale Lösung gewesen wäre. Aber es dann auch zu schaffen, das ist wohl eines der grössten Dinge die eine Gruppe erreichen kann, und die mich zum allergrössten Respektausdruck bringen würde. Auch ein Nobelpreis steht dann in Greifnähe.

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Ein Gedanke zu “Diktatur – Das geringere Übel?

  1. Ein politisch sehr spannendes, aber auch mutiges Thema, welches du dir da angenommen hast! Ich habe während der Zeit des Arabischen Frühlings viel dazu recherchiert. Ich fand es bewegend, wie viel soziale Natzwerke und moderne Medien heute bewegen können. Doch Libyen ist leider ein Negativbeispiel, bei der die Bewegung gewaltsam niedergeschlagen wurde. Mit Diktaturen zu kooperieren finde ich jedoch nie eine bessere Alternative zum Aufbau von Demokratien. Aber diese zu errichten, ist mühsam. Auch in Europa hat der Prozess Jahrzehnte gedauert. In Tunesien, dem Land, in dem die sozialen Bewegungen verhältnismäßig friedlich verlieren, braucht es immer noch seine Zeit. Ich fand es sehr spannend, deinen Fokus über Libyen zu lesen. Verfolge wir mal fleißig weiter, was dahingehend noch so passiert in der Welt!

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