Die Wiedertäufer – Eine Rezension

Nach einigen Monaten Pause von Dürrenmatt, dessen Bücher verdrängt worden waren durch viele andere neue Bücher, die ich mir gekauft hatte, entschloss ich mich nach Vernes ‚Eissphinx‘ direkt Dürrenmatts ‚Die Wiedertäufer‘ zu lesen. Erstmals erschienen in Buchform war dieses Theaterstück 1967. Das exakte Exemplar, das ich las stammt aus dem Jahr 1980, ich habe es gebraucht in meinen Besitz gebracht.

Es ist ein Stück, bei dem es eine gewisse Schwierigkeit gibt, viel darüber zu schreiben. Nun, ich beginne vorne; es handelt sich um eine Komödie, die in Münster spielt und als erstes erscheinen einige Wiedertäufer, die aus der Stadt ein neues Jerusalem machen wollen. Einer dieser, ein gewisser Bockelson, der eigentlich Schauspieler ist, aber nicht vom Bischof in dessen Theatergruppe eingelassen wurde, präsentiert sich als ein Wiedertäufer, und schafft es durch kluge Rhetorik, dass sich die Bürger ihm unterwerfen. Innert kürzester Zeit sind viele Bürger Wiedertäufer, unter anderem der Bürgermeister, was den Bischof dazu veranlasst die Stadt zu verlassen. Denn gar sein Assistent ist nun Wiedertäufer. Jan Matthison, der Anführer der Münsterschen Wiedertäufer ist, wird bei einem Angriff der königlichen Truppen getötet, was Bockelson dazu veranlasst selbst diese Rolle zu übernehmen.

die wiedertäufer

Danach rufen die Mächtigen (König, Bischöfe etc.) ihre Truppen zusammen und lassen sie Münster belagern. Selbst nachdem viele Bewohner völlig ausgehungert sind (ausser Bockelson, der sich mästen lässt) greifen die Truppen nicht an, weil sich so ihre ‚Arbeitszeit‘ zieht und sie mehr Sold erhalten. Als dann aber heraus kommt, dass die Mächtigen diesen Zustand nicht dulden wollen und vorhaben die Wiedertäufer zu schlagen. So werden die meisten Hingerichtet, ausser Bockelson, der einen ‚Doppelgänger‘ dem Feind ausliefert, der dann auch getötet wird. Und damit endet das Stück.

Die Moral von der Geschicht zu finden, erweist sich als ziemlich komplex, denn es gibt dutzende Ansätze, die glauben lassen könnten, dass nun Machthunger, Geld, Ausnutzung durch die Religion, Ausnutzung des Vertrauens oder die Moralvorstellungen dieser Zeit eigentlich der zentrale Punkt sind. Am Ende aber steht man vor einem Rätsel, um die wahre Achse und hakt das Stück als Komödie mit Denkanstössen ab.

„Das zentrale Thema des Stückes zu finden ist schwierig, gibt es doch so viele Ansätze.“

Das Stück ist unterhaltsam und witzig, die Figuren haben ihre klare Identität und das gewisse Groteske, dass Dürrenmatt so liebt ist selbstverständlich auch dabei und das nicht zu knapp. Es lohnt sich absolut das Buch zu lesen und es ist wohl eines der besseren Stücke, das Dürrenmatt geschrieben hat, wenn ich sonst auch seine Romane mehr mag.

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