Präsidentschaftswahlen in Frankreich

Ich habe mir etwas Zeit gelassen, um zu diesem Thema zu schreiben, damit ich einen Artikel verfassen kann, über die erste und zweite Runde, anstatt je einen kurzen zu jeder Runde. Und ich bin doch auch etwas Stolz darauf, dass ich am 3. März bereits Macron als nächsten Präsidenten prognostiziert habe (hier auf dem Blog, allerdings bin ich davon schon nach den Skandalen des Herrn Fillon ausgegangenen).

Die erste Runde verlief so, wie es die Statistiken vorausgesagt hatten. Kleine Aufreger in Form von Gerüchten von Links, die Macron und Mélenchon als Sieger sahen, oder Rechts, wo die Namen Le Pen und Fillon herumschwirrten gab es. Schlussendlich zeigte sich aber keines dieser Gerüchte als wahr und so waren Le Pen und Macron in der zweiten Runde, wobei (zumindest für mich) etwas überraschend war, dass Le Pen nicht die meisten Stimmen erhalten hatte.

„Zwischen den beiden Runde herrschte trügerische Ruhe.“

Bereits kurz nach den ersten Hochrechnungen gaben die Konkurrenten auf und mit einer Ausnahme wurde Macron zur Wahl empfohlen. Die Ausnahme war Mélenchon, was ebenfalls wenig überraschend war, griff er doch politisch das ›Establishment‹ an, zu dem Macron gehören soll und war ganz logisch als Linksextremer gegen Rechtsnationalismus, den Le Pen repräsentiert. Schlussendlich empfahl er dann aber Le Pen zu verhindern und in diesem Falle einfach das geringere Übel zu wählen.

Es folgte eine Woche der trügerischen Ruhe, in der mich doch die Befürchtung packte, Le Pen könnte noch gewinnen, denn häufig las ich den Vergleich mit den US-Präsidentschaftswahlen, wo das ›Establishment‹ in Form von Clinton nicht gewann. Und in vereinzelten Umfragen gewann Le Pen auch einige Prozentpunkte.

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Als es dann aber zwei Wochen nach der ersten Runde an die endgültige Entscheidung ging, gewann Macron eindeutiger, als zuvor prognostiziert. Rückblickend betrachtet hatte keine mir vorliegende Prognose Macron mit einer solchen Deutlichkeit vorne gesehen. Als nach einer Weile die definitiven Zahlen vorlagen, zeigte sich, dass Le Pen bloss etwa drei Millionen Wähler verglichen mit dem ersten Wahlgang gewonnen hatte, während es bei Macron zwölf Millionen waren. Ein Grossteil der neuen Le Pen-Wähler hatten zuvor Fillon gewählt. Tatsächlich war die Stimmbeteiligung in der zweiten Runde abgesunken, was zuvor kaum oder gar nie aufgetreten war. Als Ursache kann man wohl Mélenchon benamsen, denn wie oben schon geschrieben, war im Fall seiner Wähler das geringere Übel zu wählen. Die meisten seiner Wähler stimmten schlussendlich Macron und die restlichen blieben der Wahl fern oder warfen leere Wahlzettel ein.

Die multimediale Begleitung der Kandidaten war doch in dieser Wahl eine wirklich spannende Sache und so war es möglich die Wahl auch aus Sicht der Kandidaten zu betrachten. Mélenchon tat dies von sich aus auf seinem Youtube-Kanal, während Macron von einem Kamerateam begleitet wurde. Leider gibt es diese Filme bzw. Videos nur auf Französisch, das ich doch zumindest sporadisch beherrsche.

„Das endgültige Ergebnis war eindeutiger als erwartet.“

Was halte ich von Macron? Für mich ist er nicht gerade das geringere Übel, aber auch kein Wunschkandidat, den es in dieser Wahl nicht gab. Schlussendlich ist er mir zu Wirtschaftsliberal, ich bin eher für eine restriktive Wirtschaftspolitik. Aber die gesellschaftliche Liberalität war angebracht, ich weiss auch gar nicht, ob anderes in Frankreich überhaupt vorstellbar wäre. Ob er mit seinen Reformen durchkommt, wage ich zu bezweifeln, aber eine gewisse Notwendigkeit existiert durchaus, denn wie lange Frankreich ohne Reform noch funktionieren kann, steht in den Sternen. Zumindest aber ist En Marche in den Parlamentswahlen laut Umfragen so beliebt wie nie zuvor, was doch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Reform durchkommen wird, erhöht.

Seien wir also gespannt, was der jüngste französische Präsident zu Stande bekommt.

Bild: Wikimedia

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