1984 – Eine Rezension

Ich habe lange nachgedacht, ob ich zu diesem Buch wirklich eine Rezension schreiben sollte. Es gibt Bücher, die sind Klassiker und sie sind es zurecht. Es sind Bücher, die jede Person lesen sollte, die unterhaltsam sind, die spannend sind, die erschreckend nah der Realität sind, wie wir sie jetzt kennen. Es sind Bücher wie 1984. Im Grunde genommen ist jedes Wort, das ich darüber schreibe eine absolute Verschwendung. Es würde ausreichen nur zu schreiben: ›Dieses Buch gehört gelesen‹

Denn wirklich, es ist grossartig. Sprachlich würde ich es nicht als herausragend bezeichnen, sondern vielmehr als solide, aber das ist praktisch mein einziger Kritikpunkt. Denn inhaltlich ist 1984 eine Bombe. Oft liest man, man solle dieses Buch lesen, aber das heisst es häufig; wie viele Bücher wurden mir schon empfohlen, mit dem Anhang, ich solle es lesen, es gehört gelesen. Doch alsbald ich dieses Meisterwerk beendet hatte, wusste ich, dass ich wirklich ein Jahrhundertwerk verschlungen hatte. Die Geschichte war grossartig. Die Hauptperson ist jemand, wie jeder andere, er könnte mein Nachbar sein, er könnte der Nachbar eines jeden sein. In der Welt, in der er lebt würde man dies nicht sagen, denn er gehört zu einer absoluten Minderheit, die ihr Gehirn benutzen um Dinge zu hinterfragen. Er beginnt Tagebuch zu führen, auch um sich zu notieren, mit welchem Erdenteil das Land nun im Krieg ist, denn wechseln tut es regelmässig. Er ist ein aufgeklärter Mensch, ein kritischer Denker, doch nur im Verhältnis zu seinen Mitbürgern, denn eigentlich bemüht er sich nicht darum, aber es scheint an seinen Genen zu liegen.

„Dieses Buch gehört gelesen, man kann es nicht zu oft sagen.“

Es folgt der Alltag des Mannes, der hauptberuflich die Vergangenheit verändert, denn wenn nirgends steht, wie es wirklich war, wird die neuverfasste Geschichtsversion zur Wahrheit, oder wie man hier sagt: ›Der Sieger schreibt die Geschichte‹, im Bezug auf den Krieg. Dann stellt sich noch eine Liebesgeschichte ein, er liebt nun eine, die nicht kritisch hinterfragt, aber dennoch die ganze Verehrung des grossen Bruders als Floskel ansieht. Sie treffen sich in nicht offiziell verbotenen Gebieten, aber was offiziell gilt ist nicht immer in der Realität so. Er tritt einer Untergrundorganisation bei, wird Verraten, verhaftet und gefoltert.

1984

Aber all das, ist nicht schlimm, im Verhältnis zu dem, was nun folgt. Denn aus einem kritisch denkenden Individuum wird nun ein hirntoter Teil eines Kollektivs. Langsam aber sicher schwindet die aufklärerische Art, plötzlich gibt 2+2 fünf, es ist alles richtig, was die Propagandamaschinerie verkündet. Und alsbald diese Umwandlung geendet hat, wird die Hauptperson wieder in die Gesellschaft integriert, dann aber als Person, ohne Perspektive, in einem Beruf ohne Möglichkeiten, ohne Einfluss, eine blosse Beschäftigungstherapie.

Diese Rezension ist kurz, ich weiss, aber es ist schon mehr als Genug gesagt, vorweggenommen, deswegen soll nur noch kurz ein Teil der Einleitung rezitiert werden: ›Dieses Buch gehört gelesen‹.

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Ein Gedanke zu “1984 – Eine Rezension

  1. Hallo LJ,
    ich find deine Rezension sehr interessant. Und ja, ich habe das Buch noch nicht gelesen. Es steht aber schon länger auf meiner „Muss ich unbedingt lesen“- Liste. Ich habe von mehreren, die das Buch gelesen haben, gehört das, dieses Buch ein etwas beklemmendes Gefühl vermittelt. Auch zieht man automatisch Parallelen zu unserer heutige Welt. Ja, und zu dieser braucht man wohl nicht viel sagen. Das sieht man jeden Tag in den Nachrichten. Auf jeden Fall bin ich der Meinung, das du dieses beklemmende Gefühl super eingefangen hast.
    Also ich werde das Buch „1984“ jetzt auf jeden Fall lesen. Du hast mir sozusagen den Anstoß dazu gegeben 😉
    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend
    Leander

    Ps.: Danke, dass du bei meinem Blog vorbei geschaut hast. Ich habe nämlich erst mit dem Bloggen angefangen.

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