Überangebot an Trägerraketen

Es gibt nur wenige Anbieter von Trägerraketen, die gut funktionieren. Unter anderem liegt das daran, dass zu viele solche Anbieter existieren, als auch, dass zu viele verschiedene Trägerraketen angeboten werden.

Im Bereich bis etwa 2 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn gibt es wahrlich viele verschiedene Raketentypen, denn neben den grossen Weltraumländer gibt es auch andere, die einen eigenständigen Zugang zum All haben möchten, aber nicht das Geld aufbringen können oder wollen, um Grossraketen zu entwickeln, weswegen man sich mit dieser Grössenkategorie abgibt. Um einige Nationen, die dies so handhaben in den Raum zu werfen: Indien (mit der PSLV), Iran (Safir), Israel (Shavit), Japan (Epsilon) und Südkorea (KSLV) (China lässt sich hier durchaus auch aufstellen, denn ausländische Nutzlasten werden praktisch nicht gestartet.). Diese Trägerraketen starten nicht häufig und im Normalfall transportieren sie Regierungsnutzlasten. Dann gibt es allerdings auch noch den kommerziellen Teil des Marktes, der von den grossen Nationen zu besetzen versucht wird. Ein Beispiel ist die Vega, die dennoch viele nationale Nutzlasten startet, aber doch auch die eine oder andere kommerzielle Nutzlast gestartet hat. Russland hat gleich mehrere Typen, für dieses Nutzlastspektrum, von denen aber einige wohl nicht mehr starten werden, da Teile in der Ukraine hergestellt wurden. Meines Wissen hat Russland in den letzten Monaten und Jahren keine der verfügbaren Trägerraketen genutzt. Die USA haben ebenfalls eine grosse Zahl an diesen kleineren Raketen, von denen aber auch schon lange kein Start mehr stattgefunden hat. Eine Ausnahme hat es gegeben und das war ein Start der Pegasus. Allgemein lässt sich sagen, dass die Vega diesen kleinen Markt dominiert (wenn auch die indische PSLV nicht selten startet).

„Viele Länder wollen einen eigenständigen Zugang zum All haben, ohne dass sich dies finanziell lohnt.“

Um nur kurz auf die folgende Grössenklasse einzugehen: 2-8t in den niedrigen Erdorbit. Die einzige Marktlücke (die zumindest für das US-Militär besteht). Denn die Delta II, die früher fast alle Starts in diesem Segment absolviert hat, wird nicht mehr produziert und die letzten Exemplare werden in nächster Zeit gestartet. Deswegen werden viele militärische Nutzlasten der USA mit der eigentlich zu grossen Atlas V gestartet. Russland bzw. Europa starten die Sojus, die sich auch in diesem Bereich ansiedeln lässt, aber auch da gehen die Starts zurück und man fragt sich, wieso Europa die Sojus nach Französisch-Guyana kommen lässt, startet man doch nur die Galileo Navigationssatelliten damit, die man ebenso gut mit der Ariane 5 starten könnte.

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Der Bereich von über 8t in die niedrige Erdumlaufbahn ist der kommerziell am meisten genutzte. Meist werden diese Trägerraketen aber genutzt, um höhere, geostationäre Umlaufbahnen zu erreichen. Als Typen, die fast nur nationale Nutzlasten starten (was am hohen Preis liegt) sind die japanische H-2 und die amerikanischen Delta IV und Atlas V, Kommerziell genutzt wird grösstenteils die Ariane 5 und die Proton, die allerdings schon länger nicht mehr gestartet wurde, weil Qualitätsmängel an den Triebwerken festgestellt wurden. In den letzten Jahren ist SpaceX ebenfalls in diesen Marktsektor eingedrungen, aber dies längst nicht so erfolgreich, wie ursprünglich zu erwarten war. Denn die Falcon 9 kostet etwa halb so viel wie die Ariane 5, hat aber auch nur halb so viel Nutzlast (die Ariane 5 startet fast ausschliesslich zwei Satelliten pro Flug). Um eine normal grosse Nutzlast in den geostationären Orbit zu bringen, benötigt man jedoch so viel Geschwindigkeit, dass die Falcon 9 auf diesen Missionen kaum wiederverwendet werden kann, was die Rakete von SpaceX zusätzlich weniger konkurrenzfähig macht. Es kommt noch dazu, dass die Falcon 9 verhältnismässig unzuverlässig ist, bereits mehrfach ihre Nutzlast nicht ins All bringen konnte und regelmässig die Umlaufbahnen nicht präzise genug erreicht, wie versprochen wird.

„Die Ariane 5 ist ein erfolgreiches, wirtschaftliches funktionierendes Trägersystem.“

Vor allem im Bereich bis 8t werden nur wenige Nutzlasten gestartet, dafür existieren unglaublich viele verschiedene Raketentypen. Wirtschaftlich ist dies ganz sicher nicht. Im Bereich über 8t allerdings gibt ist dies nicht mehr so extrem. Trotzdem fallen die US-Träger auf, die kommerziell kein Erfolg sind und fast nur nationale Nutzlasten starten. Konkurrenzfähig ist die Ariane 5, die Proton ist zu unzuverlässig, um gross Nutzlasten zu erhalten. Gleich sieht es bei SpaceX aus. Könnte man aber die nationalen Raketenprojekte, die nur selten genutzt werden einstellen und stattdessen die kommerziell erfolgreichen nutzen, wäre viel Geld einzusparen, das man viel besser verwenden könnte, als in jährlich startende millionenteure Vehikel zu stecken.

Bild: Wikimedia

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