›Ja, wir nehmen Katar‹

Ich habe dieses kurze Stück  nicht geschrieben, um ein politisches Statement abzugeben, ich wollte bloss den Entscheid Katar zu ›boykottieren‹ möglichst dramatisch darstellen. Vertretene Meinungen der Personen sind nicht meine, Vorwürfe und Aussagen sind nicht zwingend faktisch belegt. Überhaupt hat das Meeting selbst höchstwahrscheinlich nie stattgefunden.

Man möge mir zusätzlich die komische Formatierung verzeihen, ich habe leider keine bessere Möglichkeit gefunden. 

In der Mitte ein grosser, massiver, ovaler Holztisch. Darum sitzend fünf Männer, die Saudi Arabien (SA), Ägypten (E), Bahrain (B), die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar (K) darstellen. Alle, ausser dem Ägypter, tragen Ghutras. Der Raum ist gedimmt.

SA: Meine Herren, die Weltgemeinschaft möchte den Terror bekämpfen, unser Geschäftsmodell zerschlagen. Wir haben durchaus Macht, sie wissen schon, das Öl. Aber früher oder später wird man einem von uns Verbindungen, materielle oder finanzielle Terrorbeihilfe, nachweisen können. Und das ist, wie Sie sicher wissen, ein Problem. Ich habe mich mit meinen Beratern zusammengesetzt und wir haben diese Sitzung beschlossen, zu der Sie, meiner Überredungskunst zum Dank, alle kommen konnten. Was unser Ziel sein muss? Wir müssen jemandem von ihnen den schwarzen Peter zuschieben. Irgendjemand an diesem Rund wird der Täter werden, der Böseste und Schlechteste im nahen Osten, der moralisch Ignorante.

E: Auch Saudi Arabien darf gewählt werden?

SA: Wenn Sie es wagen dies zu tun, auf meinem Boden, ohne Versicherung, das Land nachher noch lebend zu verlassen zu können? Natürlich dürfen sie.

K: Es bleiben noch drei.

Langes schweigen, man sieht denkende Gesichter. Lauernd werden Staatschefs um Staatschefs gemustert. Es scheint, der Raum würde dunkler. Plötzlich ertönt ein Vorschlag, der mit gewisser Klarheit, aber weder aggressiv, noch scheu vorgetragen wird.

B: Katar

Es wird sich umgeschaut, dann scheint es klick zu machen.

VAE: Katar!

E: Katar!

Es kommt zu einem stimmlichen durcheinander, bis der Saudi aufsteht und verkündet

SA: Ja, wir nehmen Katar.

Der katarische Staatschef sitzt da, im wissen, nichts mehr tun zu können. Etwas resigniert, aber doch mit der Reaktion, die man von allen hätte erwarten können, zu kalkuliert sind diese Männer, um sich davon überraschen zu lassen. Die anderen Staatschefs schütteln sich zufrieden die Hände, sie grinsen vertraulich, doch bösartig, im wissen, dass es nicht unmöglich ist, dass eine weitere, fast identische Sitzung stattfinden könnte, an deren Ende ein anderer der Böse würde.

SA: (klatscht zweimal) Papier!

Bisher ungesehene Türen öffnen sich und sechs Personen schlüpfen in den Raum, legen vor jedem Staatschef ein Papier auf den Tisch und verschwinden wieder, ehe man sich bewusst werden kann, wie sie aussahen.

Die Runde setzt sich wieder etwas geordneter hin, einige streichen ihr Gewand glatt, andere richten ihr Ghutra. Dann werden gleichzeitig von allen Staatschefs, synchron Füller gezogen. Katar zieht seinen etwas später, mit einem kaum hörbaren seufzen. Während des Schreibens murmeln die Männer, was sie schreiben, wobei kaum etwas zu verstehen ist, nur ab und an wird synchron ein Wort gesagt. Z.B. Katar, Terrorismus, Diplomatie, Moral. Nach einigen Augenblicken:

SA: (klatscht einmal) Presse!

Langsam kommen bedrohliche Gestalten in den Raum. Sie tragen schwarze Kleider, nur ihre bleichen Gesichter sind zu sehen. Alle tragen eine gross Säcke auf denen mit fluoreszierender Farbe die Namen verschiedenster Nachrichtenagenturen geschrieben sind. Sowohl von staatlichen, als auch von internationalen. Die Gestalten stellen sich hinter die Staatschefs.

SA: Nehmt unsere Blätter, veröffentlicht sie und zerreisst Katar öffentlich, zerfetzt das Land, nehmt es auseinander, macht es so schlecht wie es geht. Zerstört Reputation! Lasst uns dastehen als die Retter westlicher Werte!

Ihr Aber, Katari, Ihr werdet euer Blatt verbrennen, hier und jetzt! Zündet es an, zerstört es, macht es unleserlich und schreibt dann eine Mitteilung, die mit wenig Überzeugung euer Land verteidigt. Es soll nach unseren Mitteilungen veröffentlicht werden und es wird von den Medien als Schuldeingeständnis gesehen.

Feuer! (Laut, befehlend, wie schon ›Papier und ›Presse)

Eine kleine, bucklige Gestalt tritt in den Raum, bleibt neben dem katarischen Staatschef stehen und hält eine Fackel knapp vor sein Gesicht. Zögernd bewegt der Mann sein Blatt Richtung Flamme, bis es von denselben ergriffen wird, brennt und dann zu Asche zerfällt. Danach lehnt er sich zurück und versinkt im dunkeln. Die Gestalt verlässt den Raum, die Presse hat sich bereits vorhin, möglichst unbemerkt, wieder entfernt.

Die Staatschefs erheben sich (ab diesem Moment ertönt im Hintergrund Verdis ›Dies Irae‹) mustern sich und gehen dann, scheinbar brüderlich aus dem Raum, wobei sie eine sich plötzlich auftuende Pforte als Ausgang nutzen, die so hell leuchtet, dass das Publikum geblendet ist und nur die Silhouetten erkennen kann.

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